Einflüsse von Shinto und Schamanismus im Tee

Was Shinto, was ist Schamanismus?
Einflüsse des Shinto und des Schamanismus auf den Teeweg.

Re: Einflüsse von Shinto und Schamanismus im Tee

Beitragvon hotaru » Mittwoch 9. September 2009, 16:05

Ich entschuldige mich für die "Hexen im Teeraum". War'n schlechter Witz.

Im "Kyoto Journal" ist mal ein Artikel erschienen, in dem der Teeweg möglicherweise in der Richtung dieses Fadens erörtert wird. Es geht da zwar nicht um Schamanismus, aber der Teeweg wird dort als eine Art Initiation verstanden. Dort sind auch ganz viele HInweise zum I Ging. Für meinen Geschmack ist da möglicherweise zu viel Hermann Hesse drin, aber trotzdem lesenswert. Ist jedenfalls ein Versuch, den Teeweg aus dem sonst eher platten Verständnis herauszuheben.

Der Artikel ist nachgeschrieben auf einer englischen Seite. Da hat jemand sich ein Teehaus gebaut. Etwas rustikal englisch aber immerhin.
Der Link zum Artikel: http://www.myjapaneseteahouse.com/epicoftea.htm
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Re: shinto, hexen und schamanen

Beitragvon Kiun » Mittwoch 9. September 2009, 19:26

man kann bei begriffen wie anderswelt durchaus *stirnrunzel* machen. dennoch finde ich alexB's beiträge total spannend, zumal sie eine andere optik eröffnen, fernab von diskussionen zen oder nicht-zen im teeweg. da wäre z.b. sein vergleich mit einer schwitzhütte, vielleicht nicht besonders 'chado-like' - nichts destotrotz geht er kreativ an die auseinandersetzung mit dem teeweg heran und schon alleine das finde ich ebenso mutig wie gut. zumal ich denke, dass sich mit einer persönlichen herangehensweise eben auch ein persönlicher teeweg herauskristallisiert. ebenso teile ich yuki's gefühl des *bezaubertseins"(...irgendwie hat doch jede temae etwas magisches), jemand der zen-orientiert ist, würde vielleicht von "anfängergeist" sprechen... es scheint nun mal so zu sein, als dass chado ein mulikulturelles phänomen ist und somit hat wahrscheinlich keine kulturelle/religiöse/spirituelle ströhmung den absoluten anspruch darauf, das geistige gerüst des chado zu sein. ist es nicht gerade dieses zusammenkommen verschiedenster stöhmungen das, was die faszination des teeweges ausmacht? egal welchen geistigen hintergrund wir mitbrigen, ob wir schamanen, hexen (kleine) spotteufel, zenbuddhisten oder was auch immer sind - ich wünsche uns allen die beharrlichkeit und inspiration unseren (tee-)weg zu finden und auch zu gehen.
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Re: Einflüsse von Shinto und Schamanismus im Tee

Beitragvon sensei » Mittwoch 9. September 2009, 21:39

Das ist ein schönes Wort von "UNSEREM Teeweg".
Früher mal habe ich gedacht, dass es DEN Teeweg gäbe, aber mehr und mehr sehe ich, dass jeder seine Art hat, den Weg zu gehen und zu verstehen.
Das was die Schulen vermitteln können, ist die Technik. Den WEG GEHEN muss jeder für sich selbst.

In Japan geht man den Weg oft, indem man sich vollkommen auf seinen Lehrer verläßt, niemals nachfragt und lediglich die Technik nachahmt. Das ist auch eine Weise, den Weg zu gehen. Wir im Westen sind so erzogen worden, dass wir immer fragen "Warum?" Und da gibt es sicher ganz viele verschiedene Weisen, den Teeweg zu verstehen.

Ein wenig philosophisches Nackensträuben entsteht bei mir auch bei Begriffen wie der Anderswelt. Wir müssen schon aufpassen, dass wir da nicht in die esoterische Schiene einfahren. Es ist vielleicht das Gefährlichste überhaupt, wenn wir auf eingefahrene Schienen geraten. Da kommt man so leicht nicht wieder raus.

Aber es ist sicher absolut legitim, wenn wir die Erfahrungen, die wir auf dem Teeweg machen mit Erfahrungen aus anderen Bereichen vergleichen, besonders wenn diese Vergleiche nicht aus einer bloß intellektuellen Beschäftigung sondern aus eigenen Erfahrungen stammen.

Es ist nur manchmal so, dass bei der Verwendung einer ganz bestimmten Begrifflichkeit bei Anderen sofort ganz bestimmte Denkmuster ausgelöst werden, die ich selbst vielleicht gar nicht gemeint habe. Anderswelt gehört da vielleicht ein wenig dazu. Das klingt so, als wäre da hinter unserer Welt noch eine andere. Nietzsche würde vermutlich sagen, weil wir uns nicht in unserer Welt zurechtfinden, konstruieren wir eine Hinterwelt, wir Hinterweltler.

Natürlich ist die Welt des Teeraumes eine ganz andere, als die Welt der Konzerne und der Arbeit. Aber es ist keine Welt hinter der anderen.

Ich habe mal in einer Auseinandersetzung mit den Daodejing versucht, die zwei Welten zu beschreiben (http://teeweg.de/de/literatur/daodejing/nr1/index.html). Im Daodejing heißt es, wenn man versucht das grob und verständlich zu übersetzen:
Immer Wünsche habend sieht man die 10 000 Dinge, immer wunschlos sieht man das Geheimnis.

Das heißt, die zwei Welten entstehen in unserem Herzen (chinesisch das Wort für Geist, aber das Herz ist reicher als der abendländisch gedachte Geist. Der abendländische Geist ist eben nur Geist und Verstand, das Herz hat auch Wünsche und Empfindungen). Wünsche haben ist nicht moralisch gemeint. Bloss weil ich immer Wünsche habe, sehe ich immer die 10.000 Dinge. Wenn ich ganz und gar "gut" bin, lasse ich mein Selbst fallen und bin immer und stets wunschlos. Und damit eben der moralisch bessere Mensch als der Wünschende.
Nein, beide Welten sind nötig. Wir halten uns im Alltag in der Welt der 10.000 Dinge auf und wir müssen das tun. Dazu gehört klares, zielgerichtetes Denken, Wünschen und Wollen. Ich muss eben zielstrebig handeln und planen, sonst ist der EDEKA zu und ich kann nichts mehr für das Abendessen einkaufen.
Wir können aber z.B. im Teeraum alles Planen und Wünschen loslassen und unser Herz leer machen. Wir müssen nicht mehr denken und planen, weil wir uns ganz und gar in die Form der Teebereitung fallen lassen können. So erfahren wir das "Geheimnis".
Der Spiegelhishaku ist nicht das Tor, durch das wir in die andere Welt gehen, er ist dass Signal, dass wir unser Wünschen und Wollen fallen lassen und in die Sicht des Geheimnisses eingestiegen sind.
Das ist eine andere Welt, ich würde das aber lieber eben auch nicht Anderswelt nennen, weil mein Nachbar darunter sofort an die keltische Mythologie denkt (oder an schlimme esoterische Auslegungen und fantasy - comics).
Natürlich haben wir die Gefahr des Missverständnisses schon allein dadurch, dass wir in diesem Faden über den Schmamanismus diskutieren. Wer weiß, was ein unbefangener Leser darunter versteht? Vielleicht gibt schon das Wort Anlass zu missinterpretationen. Aber dieser Gefahr sind wir immer ausgesetzt, wenn wir über etwas reden.
In einem lebendigen Gespräch können wir die Missverständnisse sofort klarrücken. Das geschriebene Wort kann sich nicht wehren.
Oder doch ein wenig. Dazu ist ja ein Forum da. Da kann man Missverständnisse versuchen klarzurücken.
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Beitragvon Kiun » Donnerstag 10. September 2009, 09:12

ja es scheint so, als würde die diskussion rund um shinto und schamanismus im chado für heisse, oder zumindest erhitze köpfe sorgen. der ehrlichkeit halber möchte ich anmerken, dass ich vor einiger zeit selber noch die nase gerümpft habe, wenn das wort schamanismus gefallen ist. seit dem ich mich jedoch selber mit shinto befasst habe, kann ich besser nachvollziehen, wieso sich jemand mit dem schamanismus befasst. ja, es mag durchaus sein, dass ein begriff wie 'anderswelt' im kontext des teeweges missverständnisse auslöst und auch kann es durchaus sein, dass ein unbefangener leser den kopf schüttelt. aber vielleicht tut er das auch, wenn wir über kohle für ro/furo diskutieren (und für diese teils astronomische preise zahlen),...oder wenn ob eines hölzernen eimers eine wortreiche debatte losgetreten wird :D ... immerhin tun dies meine "nicht-teeweg-mitmenschen" in meinem umfeld auch, wenn auch durchwegs belustigt...
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