Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Welche Konsequenzen muss es nach dem Atomunfall in Japan geben, welche alternativen Techniken sind möglich, wie kann unsere Energieversorgung in der Zukunft aussehen

Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon sensei » Dienstag 15. März 2011, 14:33

Es mag verwundern, in einem Forum über den Teeweg Diskussionen über Atomenergie anzustoßen.
Das hat zwei Gründe:

1. unsere Liebe zur Japanischen Kultur und den Menschen dort
2. meine "Vergangenheit" in der Atomforschung.

Nach meinem Studium der Physik habe ich 10 Jahre in der Forschungsanlage des Max - Planck Institutes für Plamaphysik in Garching bei München gearbeitet.

Unsere Forschungen galten nicht der Kernspaltung, sonder der Fusion, die man damals als noch mächtigere Energieform als die Spaltung angesehen hat. Mein Arbeitsplatz war so, dass ich aus dem Fenster meines kleinen "Denkerraumes" das Garchinger "Atom Ei" gesehen habe. Dieser Forschungsreaktor ist der älteste Deuschlands. Es gab zwar strengste Sicherheitsbestimmungen für das Betreten dieses Reaktors, aber ein Physikerfreund war dort tätig. So hatte ich mehrfach die Gelegenheit, das Reaktor Innere zu besuchen. Natürlich voll ausgestattet mit Messgeräten und Sicherheitseinrichtungen. Dennoch hatten wir immer ein gewisses Bangen, wenn wir uns im Inneren des Reaktors bewegt haben. Anders als die Kollegen, die am Reaktor arbeiteten, war uns radioaktive Strahlung nicht geheuer, und wir waren froh, wenn wir wieder in unseren strahlungsfreien Lobors waren.

Auch, wenn ich mich jetzt mit dem Teeweg als Zen - Kunst befasse und überwiegend über japanische Literatur oder den Zen nachdenke, sind mir also Atomreaktoren und ihre Problematiken keineswegs fremd.

Wir waren damals absolut zuversichtllich, dass es sich nur noch um eine ganz kurze Zeit handel kann, bis es gelingen würde, die Kernfusion zu beherrschen. Dann würde endlich die "schmutzige" Technik der Kernspaltung beendet werden können. Wir waren fest davon überzeugt, dass die Kernfusion eine "saubere" Technik ohne die großen Risiken der Kernspaltung sein würde.

Eine Zäsur, mindestens in meinem Denken, war das Ereignis, dass der damalige Leiter des Institutes, Prof. Schlüter plötzlich die Meinung vertrat, die Kernfusion würde niemals funktionieren. Schlüter war bekannt dafür, dass er eine Art sokratisches Daimonion besaß: Er spürte immer genau, wenn ein eingeschlagener Weg nicht zu einem positiven Ende führen würde. Er war allerdings oft ratlos, wenn ein Weg erfolgversprechend war. Dann war sein Rat immer: "Ausprobieren! Ich weiß nicht, ob es geht"! Sein Gespür für nicht gangbare Wege war eigentlich immer richtig.

Igendwann habe ich dann meine Forschungstätigkeit im Institut beendet. Ich wollte einfach nicht mehr meine Zeit in abgeschrimten Labors bei Forschungen verbringen, die immer ins Leere liefen. In den 10 Jahren meiner dortigen Tätigkeit habe ich niemals ein positives Ergebnis erzielt, es sei den, man bezeichnet die Erkenntnis, dass ein eingeschlagener Weg NICHT funktioniert, als positiv.

Damals war ich bereits davon überzeugt, dass die Kerspaltung als Weg der Energieerzeugung ein Irrweg ist. Wie sich jetzt wieder in Japan zeigt, handelt es sich hier um eine Technik mit unkalkulierbarem Risiko.

In diesen Tagen habe ich gehört, dass es ebenfalls riskant ist, sich in ein Auto oder ein Flugzeug zu setzen. Das stimmt. Aber wenn ich einen Unfall mit meinem Wagen baue, sind im schlimmsten Fall ein paar Menschenleben vernichtet. Danach wird der Trümmerhaufen besitigt und das war's dann.

Wenn ein Atommeiler einen Gau verursacht, dann hat man einen Trümmerhaufen, den man nicht wegräumen kann. Man muss ihn nur ein paat tausend Jahre bewachen und warten.

Wir haben damlas schon diskutiert, was bei einem Ausstieg aus der Kernspaltung geschehen würde. Die alten Reaktoren und die Endlager stehen in der Landschaft und straheln still ein paar tausend Jahre vor sich hin. Wer bitte wartet den die alten Anlagen, die immer noch eine Gefährdung darstellen. Schon heute ist es so, das der größte Teil der Techniker und Wissenschaftler, die solche Maschinen bedienen grauhaarig wird, Niemand wird seine Berusfwahl darauf ausrichten, sich in einer auslaufenden Technik auszubilden. Was dann, wenn es keine Spezialisten für solche Anlagen mehr gibt?
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Re: Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon Wildform » Dienstag 15. März 2011, 21:35

Sehr geehrter sensei,

im Zen wird die Wirklichkeit angenommen, so wie sie ist. So habe ich Zen immer verstanden. Japan liegt auch mir am Herzen, obwohl ich dieses wunderschöne Land noch nie besucht habe. Und jetzt diese Not und das Leid, das über die Menschen, das Land und alle Geschöpfe hereingebrochen ist.
Das Forum "CHADO - DER TEEWEG" ist ein geeigneter Ort, über das Jetzt und die Zukunft der Atomenergie nachzudenken, ob nun in Japan oder ganz generell.
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Die Wirklichkeit annehmen?

Beitragvon sensei » Mittwoch 16. März 2011, 12:00

Die Wirklichkeit so annehmen wie sie ist, könnte als Leitspruch dazu führen, dass man eine fatalistische Haltung einnimmt: Es ist eben alles so, wie es ist!

Die Japaner sind keine Zen-geschulten Menschen. Aber ihre kulturelle Tradition ist schon vom Zen geprägt. Ein klein wenig hat man den Eindruck, wenn man die schrecklichen Bilder aus Japan sieht, dass die Menschen das genau so hinnehmen: Es ist eben so!
Niemand schreit, manche weinen, aber sie schämen sich dafür, dass sie Emotionen zeigen. Welches Geschrei und welche Panik würde bei uns herrschen?

Aber das ist eben nur eine Seite des Zen. Die andere Seite ist eine nüchterne Klarheit. Und mit dieser Klarheit muss man manchmal sehen, dass die Entwicklungen in eine falsche Richtung laufen. Die Zen-Leute kümmern sich zwar im allgemeinen nicht um Politik, sondern nur um den Einzelnen. Aber es gibt eben verschiedene Ansätze. Die eine Seite sagt: macht kaputt, was Euch kaputt macht. Die andere sagt, bring dich selbst in Ordnung, dann wird auch deine Umwelt daran genesen. UND: erst wenn ich mich selbst in Ordnung gebracht habe, kann ich in guter Weise auf meine Mitmenschen wirken. Andernfalls würde man vielleicht im konkreten Fall denken: Etliche AKW sind ausgefallen: wir brauchen dringend neue!

Aber es ist eben keineswegs so, dass Zen immer und unbedingt unpolitisch ist. Wenn man die großen Tempel in Japan besucht, so wird immer klarer, dass sie ja alle von Spenden und Zuwendungen der Mächtigen gelebt haben. Und die haben die Tempel finanziert, weil viele der großen Zen-Lehrer als politische Berater gewirkt haben. Zen hatte einen enormen Einfluss auf die japanische Politik - früher! Heute ist Zen eine einflusslose Sekte.

Zen sagt zwar, man soll ganz im Augenblick leben. Aber was heißt es "im Augenblick leben".
In der Türkei war ich früher viel mit der Citroen - Ente unterwegs. Auf engsten und gewundenen Pass-Straßen sind mit immer wieder mitten auf der Fahrbahn riesige LKW entgegengekommen. Oben am Führerhaus stand "KISMET" - Schicksal. Wenn es eben zum Unfall kommen soll: "Kismet!" Also kann ich auch gleich auf der linken Fahrbahn fahren - ist eh Kismet.

Wir können auch einfach zusehen, wie in so einem kleinen Land wie Japan ein AKW nach dem anderen gebaut wird. Kismet! Oder Japanisch: im Augenblick leben!

Nein, das ist nicht Kismet, das ist DUMMHEIT. In Tausend und eine Nacht wird von dem Prinz erzählt, der gegen die Mächte des Schicksals kämpft und immer wieder verliert. Kismet eben. Der Augenblick für ihn ist nicht gekommen. Aber all dieser Kampf und die Auseinandersetzung sind nötig, damit er im richtigen Augenblick genau das Richtige tun KANN. Wenn er sitzen bliebe und auf seine Zeit warten würde, ohne etwas zu tun, dann würde der richtige Augenblick verüberziehen, ohne dass er es überhaupt bemerken würde. Deshalb muss er wach sein und kämpfen.

Im Zen gibt es die Geschicht von dem Bauern, der einmal beobachtete, wie ein Hase vom Fuchs gejagt wurde und wie er mit dem Kopf gegen einen Pfosten rannte und tot umfiel. Seit der Zeit sitzt der Bauer vor diesem Pfosten und wartet auf den nächsten Hasen. Das ist nicht im Augenblick leben, das ist Dummheit.

Im Hekigan Roku heißt es:
Wer hinter dem Berg Rauch sieht, weiß sofort, Feuer!
Wer hinter einer Hecke Hörner sieht, erkennt sogleich: ein Ochse!
Schon beim Erschienen von Einem die drei anderen erfassen
und auf den ersten Blick das Gewicht des Ganzen erkennen -
das gehört zur täglichen Nahrung eines Flickenmönchs


Im Augenblick sein heißt, mit absoluter Klarheit den Rauch sehen, und wissen, dass dort Feuer ist.

Derzeit ist Feuer! Da nutzt es nicht, still zu sitzen und ganz in sich ruhen. Das wäre dann nicht Kismet sondern Dummheit.
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Re: Die Wirklichkeit annehmen?

Beitragvon julian » Mittwoch 16. März 2011, 20:29

sensei hat geschrieben:Derzeit ist Feuer! Da nutzt es nicht, still zu sitzen und ganz in sich ruhen. Das wäre dann nicht Kismet sondern Dummheit.


was koennen WIR tun, ausser in mitleid den opfern und beteiligten zu gedenken?? und zu hoffen, dass zumindest in deutschland die AKW so schnell wie moeglich vom netz gehen.
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Re: Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon sensei » Mittwoch 16. März 2011, 21:36

Man denkt immer, wir können nichts TUN!

Heidegger hat in seinem "Brief über den Humanismus" geschrieben:
Wir bedenken das Wesen des Handeln noch lange nicht entschieden genug.
Man kennt das Handeln nur als das Bewirken einer Wirkung. Deren Wirklichkeit wird geschätzt nach ihrem Nutzen.
Aber das Wesen des Handeln ist das Vollbringen. Vollbringen heißt: etwas in die Fülle seines Wesens entfalten.

Wenn wir das Handeln als Bewirken einer Wirkung denken, die nach ihrem Nutzen zu bewerten ist, dann können wir im gegenwärtigen Zeitpunkt nichts tun! Alles was wir täten, bliebe ohne Wirkung. Wo sollte unser Tun ansetzen? Das THW ist unverrichteter Dinge wieder aus Japan abgezogen: da kann man nichts mehr tun. Das AKW explodiert still vor sich hin. Da kann man nicht tun.

Aber wenn wir das Handeln im Sinne Heideggers denken, dann heißt Handeln: etwas in die Fülle seines Wesens bringen. Das heißt, dass der Mensch in die vollen Bezüge zum Sein gelangt. Klingt theoretisch, ist aber eminent wichtig.

Wir müssen aufwachen aus der Lethargie und der absoluten Technik-Gläubigkeit, die an die Machbarkeit von allem glaubt. Wenn wir als Menschen in die Fülle unseres Wesens gelangen wollen, dann kann das nicht durch Technik geschehen, eher duch Zen oder gar den Teeweg.

Aber was bringt das in dieser Situation? Nichts und Alles. Nichts, was die Wirkung nach Zahlen anbelangt, aber Alles, was das betrifft, dass Menschen zu sich finden und die Versklavung durch die Technik überwinden. Wir sind Gefangene der Technik geworden, weil wir uns gedanken- und besinnungslos in diese Sklaverei begeben haben. Das Schlimme daran ist, dass wir nicht einmal bemerkt haben, dass wir Sklaven der Technik geworden sind. Wir glauben gar, wir seien die Herren der Technik. Der Glaube an die Beherrschbarkeit der Technik im Beispiel der Atomkraft ist bis vor einer Woche bei den meisten Menschen noch unerschütterlich gewesen.

Woher kommt unser Strom? Aus der Steckdose natürlich. Woher anders als aus der Atomkraft soll denn der Strom gewonnen werden?
In einer anderen Schrift schreibt Heidegger:
Das Bedenklichste unserer bedenklichen Zeit ist, dass wir noch nicht denken!

Aber wir denken doch die ganze Zeit? Mit unserem Denken bauen wir absolut sichere Atomkraftwerke und vieles mehr. Aber das ist nicht das Denken, das Heidegger meint. Diese Art des Denkens, wie es in der Technik herrscht, nennt Heidegger das "rechnende Denken". Es rechnet mit der Machbarkeit und Verfügbarkeit der gesamten Wirklichkeit, aber es verliert den Menschen aus dem Blick.

Diese Gedankenlosigkeit gilt es zu überwinden. Und nicht nur diese. Wir sind auch vollkommen gedankenlos bei der Vernutzung von Menschenmaterial in der heutigen Arbeitswelt. Die Menschen werden vernutzt und verschlissen, und wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie wie Ersatzteile ausgetauscht.

Das ist In-human! So wie die gesamte Technik in ihrem Wesenszug der Humanität wiederspricht.
Wenn wir dieses Bewusstsein ändern, zuerst nur wenige, dann haben wir unendlich viel getan.

Nachdenken ist also keine verschwendete Zeit: es ist ein notwendiger Vorgang zur Rettung der Menschheit. Und jetzt ist die Zeit zum Nachdenken gekommen.

Die Rauchsäulen am Himmel über Fukushima - der Glücksinsel - sind wie ein riesiger erhobener Zeigefinger, der uns mahnt, mahnt zu unserem Glück!

Er mahnt uns, endlich zu denken. Dazu gehört auch, dass wir den Schmerz über die Unmöglichkeit zum Tun aushalten. Nur so kommen wir vielleicht zur Be-sinnung, die über den Sinn nachdenke.

Das können wir tun!
Das ist auf lange Sicht erfolgreicher als jeder blinde Aktionismus.
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Re: Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon Wildform » Donnerstag 17. März 2011, 08:48

Demnach ist der Mensch noch nicht in die Fülle seines Seins eingegangen, bevor diese Schmerzgrenze gänzlich überwunden wurde oder wird.
Stammen die Zitate von Heidegger aus "Sein und Zeit"?
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Re: Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon Wildform » Donnerstag 17. März 2011, 08:52

Nachtrag: das zweite Zitat ist damit gemeint. Danke.
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Re: Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon sensei » Donnerstag 17. März 2011, 10:51

Die Zitate über das Wesen des Handelns stammen aus dem sogenannten Humanismusbrief.

Das zweite Zitat über das Bedenkliche stamm aus der Vorlesung: "Was heißt Denken".
Grob gesagt ist das keine Bestimmung der Sache, die man Denken nennt. Im Hintergrund schwingt immer die Frage mit, WAS es ist, das dem Menschen den "Auftrag" zum denken gibt. Es ist also das "Geheiß", das uns denken heißt, also zum Denken veranlasst.
Das, was uns denken heißt, ist das Geschick, das sich uns zuschickt.

Das Geschick unserer Zeit, also die Art und Weise, wie sich dem Menschen das Sein zeigt ist die Technik.
Technik ist eine Art der Entbergung des Seins Zen eine andere.
Im Zen versuchen wir los zu lassen. Das Lassen als Los-Lassen und Sein-lassen ist kein passiver Zustand, es ist ein aktives Zulassen und Schonen.

Die Technik ist kein Zu-lassen und Los-lassen, sie ist, wie Heidegger sagt das Ge-stellt.
Die Natur wird ge-stellt, wie der Jäger das Wild stellt. Sie wird darauf hin gestellt, dass sicher gestellt ist, dass alles, was herausgestellt wurde, jederzeit und überall bereitgestellt werden kann.
Dieses vielfältige Stellen nennt Heidegger das Ge-Stell. Es ist also kein Regal oder ähnliches, sondern die Art und Weise, wie an die Natur das Ansinnen gestellt wird, alles bereitzustellen. Natur wird dann zum Rohstofflager oder zur Energiequelle. Wirklichkeit bestimmt sich im Gestell nur durch das Bereit- und Herstellen von Nutzen und Wirkung. Im Rahmen des Ge-Stells wird auch der Mensch als "Rohstoff" für die Arbeit gebraucht und verbraucht. Nicht mehr der Mensch steht im Zentrum, sondern der zu erzielende Gewinn. Aber für wen?

Es ist nicht mehr Dieser oder Jener, der den Gewinn und Nutzen einfahren will. Sicher gibt es Menschen, die sich Nasen aus Platin verdienen, aber im Wesentlichen ist das Getriebe der Wirtschaft anonymisiert. Der Einzelne ist im Getriebe getrieben und wer nicht mitmacht, wird geschoben oder wird zum Abfall. Wenn wir keine AKW bauen, dann bauen sie eben unsere Nachbarn. Also MÜSSEN wir auch welche bauen. Müssen wir?

Die Technik als Ge-Stell ist kein Teufelswerk, sondern die Art und Weise, wie sich dem heutigen Menschen Wirklichkeit zeigt.
Dabei hat die Technik als Ge-Stell kriegsartige Züge. Man wartet nicht, was die Natur bereit ist, zu geben. Man hegt und pflegt sie nicht, damit das Geben möglichst gehütet wird. Wenn die Natur ihren Rohstoff oder die enthaltene Energie nicht freiwillig hergibt, wird es ihr mit Gewalt entrissen.
Technik als Ge-Stell ist Krieg gegen die Natur und Krieg Aller gegen Alle!

Aber diese Art der Technik ist das gegenwärtige Ge-Schick des Menschen, sie ist dann aber auch dasjenige, was den Menschen denken heißt. Aber im Wesen des Gestells liegt es wohl, dass dieses Geheiß nicht in der Stille spricht, wie im Zen. Dieses Geheiß ergeht in der Weise des Krieges, indem die Natur zurückschlägt, und mit diesem Schlag den Menschen in das Denken ruft.

In der Schrift "Die Technik und die Kehre" zitiert Heidegger das Hölderlinwort:
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!"

Das Rettende ist nicht erforderlich, wenn keine Gefahr da ist.
Aber in der Gefahr wächst auch das Rettende.
Das Rettende ist, so Heidegger, die Gefahr selbst.

Das erleben wir im Augenblick. Die Atomtechnik entbirgt sich als die Gefahr, vielleicht die größte Gefahr. Aber größer als die Gefahr, die wir im Augenblick erleben, ist die, dass wir aufhören zu denken, und der Technik hilflos verfallen. Und das im Glauben, dass wir Menschen die Technik beherrschen. In Wirklichkeit beherrscht sie den Menschen.

Derzeit ruft die Technik als Geschick laut und deutlich zur Umkehr.
Aus der Gefahr selbst kommt das Rettende.

Das Rettende kann nur darin bestehen, dass der Mensch das Wesen der Technik als Ge-Stell verwinden lernt. Die Hinwendung zu alternativen und erneuerbaren Energien ist ein Anfang. Aber nach meinem Geschmack ist auch dort noch zu viel Ge-Stell darin.

Es werden sicher wieder riesige Windpark Off-Shor gebaut. Dann benötigt man wieder riesige Überlandleitungen, um die Energie dort bereit zu STELLEN, wo sie gebraucht wird.
Warum lernen wir nicht, dezentral zu denken. Dann könnte die Gewinnung neuer Energien "sanft" geschehen. Die riesigen Windkraftanlagen sind nichts anderes als der Ausdruck des Krieges gegen die Natur, die man zwingt, Megawatt zu liefern.

Ein Beispiel ist das WWW oder etwa Wikipedia. Wikipedia konnte nur deshalb so schnell wachsen, weil es keine Zentrale mehr gibt, die sicher STELLT, dass Wissen bereit-GESTELLT wird. Wiki funktioniewrt nur, weil es eben kene zentrale mehr gibt und weil Jeder beitragen kann, dass es wächst. Das muss in der Energieversorgung ebenso gehen.

Ich weiß, das braucht Zeit. Aber vielleicht sind etwa die riesigen Windkraftanlagen die neue "Brückentechnik"?

Vieleicht ist es das, was uns die Gefahr, die zugleich das Rettende ist, lehren will?
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Re: Japan - Land der untergehenden Atomenergie?

Beitragvon sensei » Freitag 18. März 2011, 11:42

Heute habe ich erste Bilder von einer Demenstration gegen Atomkraft aus Tokio gesehen.
Das ist für Japan absolut neu!
Noch nie hat dort jemand öffentlich auf der Straße gegen Atomkraft demonstriert!

Besteht doch Hoffnung auf eine Wende?
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