Hōkyo koku 鳳叫虚空
 
Schrei des Phönix im leeren Himmel.

Der Vogel Hō spielt in der chinesischen und japanischen Mythologie eine große Rolle.

Er wird fälschlich oft als Phönix übersetzt. Aber von ihm wird nicht erzählt, dass er sich selbst im Feuer verbrennt und aus der Asche wieder neu ersteht. Das ist ein abendländischer Mythos, der sich nicht mit dem chinesischen deckt.

 

Der Vogel Hō ist sonnenhaft. Wenn er sich vom Himmel her auf die Erde niederlässt, dann verwandelt sich alles und die Erde wird zum Paradies. Dann herrscht das goldene Reich des Amida Buddha. Auf dem Dach des goldenen Pavillons, dem Kinkaku-ji 金閣寺 in Kyōtō wird der Ho dargestellt, wie er sich gerade niederlässt. Noch sind seine Flügel ausgebreitet, aber mit den Krallen berührt er schon das Dach. Das oberste Stockwerk, das im indischen Stil gebaut ist, hat sich schon in Gold verwandelt. Ebenso das mittlere Stockwerk, das im chinesischen Stil gebaut ist. Nur das Erdgeschoss im japanischen Stil hat sich noch nicht in Gold verwandelt.

Damit wird der Weg Buddhas von Indien über China nach Japan nachgezeichnet. Noch - also zur Bauzeit des Pavillons 1397 - ist der Buddhismus nicht vollständig in Japan angekommen und die Wirklichkeit noch nicht zum Paradies geworden. (Eigentlich ist das auch bis heute noch nicht geschehen!)

 

Wenn der Schrei des Vogels Hō aus dem leeren Himmel (KOKU 虚空) ertönt, dann steht die Verwandlung der Erde in das Paradies des Amida unmittelbar bevor.

 

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Das Stück gehört zu der Gattung der Lieder des leeren Himmels - Koku 虚空.

Beide Schriftzeichen Ko 虚 und kū 虚 werden als Leere übersetzt. Kū 虚 ist der leere Himmel, der den Raum öffnet, in dem alle Dinge erscheinen können. So ist Kokū nicht einfach der leere Raum des nichtigen Nichts. Es ist der unendliche Raum, in den hinein Alles erscheinen kann. Mehr über die Leere, die die Komusō-Mönche im Namen tragen: hier

 

In Shingon Buddhismus gibt es das Mutterschoß-Mandala als Meditationsbild. Der Hauptbuddha Vairochana ist von acht Bodhisattvas umgeben. Am unteren Ende des Mandala ist der Sitz des Akashagharba Bodhisattva, des Bodhisattva der unendlichen Offenheit und Weite. Akasha ist as originale Sanskritwort, das im chinesischen als Koku - offene Weite übersetzt wird.

 

Der Schrei des Phönix in der leeren, offenen und unendlichen Weite ruft in die Verwirklichung des Paradieses auf dieser Erde.


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